Zur mobilen Version wechseln »
AktuellesWetterShopAboMediaserviceKontaktDie besten Seiten der ImkereiImkerzeitschriften
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Helene Lieb - Imkerin im 19. J...

Aus alten Bienenzeitschriften (8 Einträge)

26 mal angesehen
06.12.2018, 13.14 Uhr

Aus der Moldau - Beschreibung eines Erdbaus zur Überwinterung der Bienenvölker

Aus der Moldau

1) Schädlichkeit der Wachsmotten.
Ich halte seit fünf Jahren Bienen, seit drei Jahren die Bienenzeitung, welcher ich nebst den Schriften des Herrn Pfarrers Dzierzon mein meistes Bienenwissen verdanke. 12 Kasten nach Rutt, ja die größere Zahl meiner hier gebräuchlichen walzenförmigen Holzständer, sind in Lager-Stöcke verwandelt, dzierzonisiert und mit diesjährigen Schwärmen besetzt. In diesem Frühjahr musste mancher von meinen 80 Mutter Stöcken gefüttert werden. Eingedenk der Warnung der bienenzeitung, nie Honig zu verfüttern, von welchem man nicht überzeugt sei, dass er von ganz gesunden Stöcken herrühre, füttere ich im Frühjahr mit ausgelassenem weißen Zucker, im Winter mit Kandis, und doch fand ich zu meinem größten Schrecken im Mai drei Stöcke mit eingefallenen Brutzellen. Ich hielt sie für faulbrütig, sonderte sie ab, und entweiselte sie nach Herrn Dzierzons Rath. Gleich darauf fingen die Bienen an, die Brut-Zellen von den Toten Maden zu reinigen, ja sie rissen selbst lebende und dem Auskriechen nahe junge Bienen aus den Zellen. Die meisten hatten verschrumpfte Flügel, manche schien aber ganz fehlerfrei zu sein. Alles, was Brut hieß, wurde ohne Gnade und Barmherzigkeit zum Flugloch hinausgeworfen.

Um den Bienen das Reinigen der Brutzellen zu erleichtern, riss auch ich mit einem feinen Häkchen die Maden der eingefallenen Zellen heraus. Bei dieser Gelegenheit stürzte mehrere Male nach der Bienenmade eine kleine Motte nach, mehrere Male sah ich unter den Deckeln Motten-Gänge und die Deckel dieser Zellen durch die Motten mehr erhöht als die anderen. Nach einigen Regentagen fand ich vor einem Stocke 4 ganz ausgebildete Drohnen zusammen gesponnen. Das Brustteil einer dieser Drohnen war hohl. Und darin steckte eine kleine Motte. Dies alles brachte mich auf den Gedanken, ob nicht öfter als man glaubt die kleine Motte Ursache der „Faulbrut“ sei, und ob es nicht manchem Anfänger ebenso wie mir gehen mag, indem er vielleicht, um dem Anstecken der Stöcke vorzubeugen, Bienen, Stöcke und alles dazugehörige vernichtet, wo gar keine ansteckende Faulbrut vorhanden ist. Deswegen dachte ich, es sei von einigem Vorteil dieses zu veröffentlichen (natürlich für Anfänger gleich mir). Weil die genannten Stöcke so früh entweiselt wurden, die erste Brut abgestorben war und die Stöcke im Mai ziemlich volkarm waren, erholten sie sich nur schwer und schwärmten diesen Sommer nicht mehr.

2) Wie bei uns in der Moldau die Stöcke von dem mehr als zweimaligen Schwärmen abgehalten werden.
Nach Abzug des Vor- und Nachschwarmes wird dem Mutterstocke das Wachs fast bis an den Honig ausgeschnitten. Freilich geht dabei einige Brut zugrunde. Aber die Bienen welche nun keine Brut mehr zu versorgen haben, verlegen sich jetzt eindeutig auf das Honigsammeln und denken an kein weiteres Schwärmen, wodurch sie meist hinreichenden Wintervorrat erhalten.

3 ) Winterungs-Erdgrube.
Man gräbt eine Grube ein Klafter tief, etwa zwei Klafter breit und nach Bedürfnis lang. durch die Mitte der Grube, der Länge nach, werden drei bis vier starke, meist Eichenpfeiler mit dem einen Ende eingegraben, sodass sie einige Fuß höher kommen als die Seitenwände sind. Auch müssen diese Pfeiler oder Stützen an dem obern Ende Gabelförmig sein, damit der auf diese Pfeiler gelegte starke Querbalken, natürlich auch von einer dauerhaften Holzart, auf diesen Gabeln ruhen kann. Auf die langen Ränder der Grube werden Schwellen gelegt, und nur von diesen Schwellen bis gegen die Mitte und auf den Mittelbalken selbst, Holzscheite aneinander gereiht, und zwar so von beiden Seiten, bis dass die Grube ganz bedacht ist.. Auf dieses Holzdach kommt nun eine Lage Teichrohr, und über das ganze wird Erde geschaufelt. Klafterlange Holz-Scheite werden gewöhnlich zu dieser Bedachung gebraucht. An einer der schmalen Seiten werden einige Stufen in die Grube gegraben, eine Holzthüre angebracht, über derselben ein Luftloch und zum Schutze gegen Regen ein kleines Stroh- oder Rohrdach über diesen Gang gebaut. Einige bauen auch über die ganze Grube noch ein separates Dächlein, was jedoch nicht durchaus notwendig ist. Inwendig werden die Wände der Grube mit Lehm und Kuhmist glatt gemacht, dann mit niedrig loderndem Feuer mehrere Tage gut ausgebrannt, auch ausgeschwefelt. Im Frühjahre werden an den Seiten der Grube kleine Kanäle gegraben, um dem schmelzenden Schnee oder Regen Abfluss zu gewähren, damit sich in die Grube keine Feuchtigkeit zieht. Eine Grube zwei Klafter breit, dreieinhalb Klafter lang, ein Klafter hoch, kann 300 Stöcke fassen, wie wir sie haben, nämlich walzenförmige Holzständer. Diese werden umgelegt, nur wird darauf gesehen, dass die Waben auf die Kante zu liegen kommen, und so werden die Stöcke gleich dem klafterholze übereinander geschichtet, gewöhnlich mit dem Haupte nach der langen Wand und die Öffnung nach der Mitte der Grube. Ebenso auf der anderen Seite der Wand, so dass in der Mitte ein Gang für den Bienenpfleger übrig bleibt. Die Öffnung der Stöcke bleibt ganz offen, sodass freilich die Mäuse und Ratten nicht übel hausen würden, wenn nicht zu Zeiten eine Katze eingesperrt und Fallen gelegt würden. Weil die Stöcke auf dem einen Ende ganz offen sind, haben die Bienen Luft genug und schimmelt es in den Stöcken nicht, wenn die Grube gut ausgebrannt und nicht an einem ganz unpassenden zu niedrigen Orte sich befindet. In unserer Gegend, wo kein Holzmangel ist, kostet mich eine solche Grube 20 Taler.

4). Mittel gegen den Bienenstich.
Der Zufall brachte mich folgendermaßen auf ein solches Mittel. Als ich nämlich bei meinen Bienen wieder einmal herumwirtschaftete, wurde ich von einer dieser „Schelminnen“ in die Lippe, und zwar ziemlich nach innen, gestochen. An Bienenstiche schon ziemlich gewöhnt, hätte ich mich weiter nicht viel darum gekümmert, wenn ich nicht immer so unmenschlich anschwoll. Ich sollte den zweiten Tag eine kleine Exkursion machen, und gewöhnlich dauerte die Geschwulst 3 Tage. Auch fühlte ich schon, wie die Lippe immer mehr und mehr quoll, so dass ich bald eine der schönsten Mohren-Lippen hatte und derart entstellt war, dass ich an kein Ausgehen denken konnte. Doch siehe, schon nach weniger als einer Stunde war die Geschwulst wieder gefallen. Ich wunderte mich darüber, doch nicht lange. Instinktmäßig hatte ich die gestochene Lippe mit der Zunge befeuchtet. Bald fiel mir ein, dass der Speichel eine balsamische Heilkraft besitze und dass, wenn Tiere ihre Wunden heilen, indem sie dieselben mit ihrer Zunge benetzen, der Speichel des Menschen wohl ebenso heilsam sein könnte. Genug, ich wende seit dieser Entdeckung kein anderes Mittel an, immer hilft es mir. Es ist auch das einfachste Mittel, das die wenigsten Umstände macht. Selbst wenn ich in der Nähe der Augen einen Stich bekomme, wo die Geschwulst am hartnäckigsten zu sein pflegt, verliere ich sie doch bald wieder durch anhaltendes wiederholtes Benetzen mit dem bloßen Finger. Wunder wirkt das Mittel freilich nicht, fünf bis sechs Mal benetzen hilft nichts. Um die Augen benetze ich die gestochene Stelle vielleicht 50 mal, bis die Geschwulst fällt, und zwar gleich nach dem Stiche alle drei bis vier Minuten, sonst hilft es nichts. An andern Gesichtstheilen braucht man nicht halb so viel zu befeuchten, und nebenbei verrichtet man seine Arbeit fort, braucht nichts zu binden und aufzulegen. Ich habe mannigfaltige in Bienen Zeitschriften angeratene Mitte probiert, immer aber ohne Erfolg. Seit dem Tage aber, wo ich genanntes Mittel anwende, bekomme ich niemals mehr ein Karikatur-Gesicht, wie es früher nach einem Stiche daselbst immer der Fall war.

Jassi, 1857 Helene Lieb *)
--------------------------------------------------

*) Wir und alle Imkerchapeaux küssen Ihnen ehrerbietig die Hand.
Die Red.

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Zum Seitenanfang