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Helene Lieb - Imkerin im 19. J...

Aus alten Bienenzeitschriften (8 Einträge)

34 mal angesehen
06.12.2018, 17.49 Uhr

Diskussion über mögliche "Transportation von Bienenmaden"

[ Das nachfolgende Thema vermittelt - neben dem fachlichen Aspekt - einen kleinen Einblick in die Diskussionskultur, speziell beim Umgang mit der Meinung einer "Dame" ]


Transportation von Bienenmaden.
Nicht, Herr Redakteur, durch ihre freundliche Aufnahme dessen, was ich Ihnen aus meinem geringen Wissens-Krame über die lieben Bienchen eingesendet, allein ermutigt; auch nicht aus Eitelkeit, sondern aus wirklicher Lust und Liebe zur Sache fühle ich mich veranlasst, auch wieder ein wenig in der Bienenzeitung mitzuplappern und bitte, deshalb darüber nicht ungehalten zu sein und das Sprichwort zu bedenken, dass auch eine blinde Henne manchmal ein Korn findet, und bei meiner Liebe zur Bienenzucht mir der Zufall etwas zuführen kann, was doch vielleicht auch für ihre Zeitung von einigem Interesse sein möchte, wie zum Beispiel folgendes .

Ich wollte in diesem Frühjahr einige junge Weisel erziehen, gab zu diesem Zwecke eine Honig-Tafel, eine Beut- und eine leere Tafel und 5 bis 6000 Bienen dazu. Da die Bienen von demselben Stande waren, nur dass ich sie drei Tage eingesperrt gehalten hatte, so flogen doch viele auf ihre Mutter-Stöcke zurück. Die leere Wabe, die ich auf die mit Brut besetzte folgen ließ, hatte nahe am Wabenhölzchen eine Vertiefung. In diese Vertiefung, von dem Wagen Hölzchen anfangend, hatten die Bienen den zweiten und dritten Tag einen kleinen, einer Zunge ähnlichen Vorsprung gebaut und an diesem Vorsprung Weiselnäpfchen angesetzt, während an der Bruttafel selbst noch keins begonnen war. Ich nahm die Wabe heraus, betrachtete sie genau, sah aber weder ein Ei noch eine Made in dem besagten Näpfchen. Das gehört wohl auch zu euren Verirrungen, dachte ich, dass ihr Näpfchen baut, wo keine Brut ist, oder ihr habt wohl keine Lust, euch eine Königin zu erbrüten! Ich will euch andere Bienen zuschütten, die vielleicht mehr guten Willen haben. Gedacht, getan! Noch an demselben Abende wurden ihnen abermals etwas Bienen zugeschüttet. Am dritten Tag darauf sah ich wieder nach, und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich in besagtem Näpfchen eine fast die ganze Zelle ausfüllende Made fand. Nach mehreren Tagen fand ich die Koenigin auch schon ausgeschlüpft unter den Bienen. Dies beweist, dass die Bienen wenn auch nicht Eier, so doch wenigstens Maden übersiedeln können, (wie Katzen ihre Jungen), sobald sie nur wollen, und zwar schon ziemlich große Maden, da diejenige, aus welche die Königin in 9 Tagen hat ausgebrütet werden können, bereits ziemlich alt sein musste.

Jassy, 1.12.1857 Helene Lieb

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Nachschrift der Redaktion.

Was meinen Dzierzon, v. Berlepsch, Kleine etc. dazu? Beobachterin und Beobachtung sind derart, dass Zweifel schwerlich Platz greifen dürfen.


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Randglossen.
…..
die verehrliche Redaktion fordert mich auf, meine Ansicht über eine Beobachtung unserer schönen Mitarbeiterin, Frau Helene Lieb, die Transportation von Bienenmaden betreffend, auszusprechen, was ich ihr wenig Dank weiß, da sie mich damit der Versuchung unterzieht, meine wahre Meinung zu verschweigen oder mich der Gefahr aussetzt, gegen die üblichen Gesetze der Galanterie zu verstoßen und einer Dame zu widersprechen.

Der Transportation von Bienenmaden stehen unverkennbar die Schwierigkeiten nicht entgegen, welche die Transferierung von Bienen-Eiern unmöglich machen, vorausgesetzt, dass sie sich noch in den ersten Stadien der Entwicklung befinden, weil darin eine unumgängliche Bedingung für das etwaige Gelingen liegt, da die transportierenden Bienen mit einer erwachsenen, die ganze Zelle fast ausführenden Made nichts würden anfangen können. Dennoch stelle ich die Wirklichkeit einer solchen Transportation durch die Arbeitsbienen aufs entschiedenste in Abrede, weil ich sie bei den Bienen für eine Natur-Widrigkeit halte. Es müssten doch die Bienen, wollten sie behufs der Erziehung einer Koenigin eine Made aus einer Arbeiter Zelle in eine königliche übertragen, den Gedanken davon angeboren in sich tragen, weil sie ohne denselben selbstverständlich nicht darauf verfallen könnten. Dass es der Natur ein Leichtes gewesen sein würde, den Bienen diesem Gedanken einzupflanzen, wenn es ihrem Zwecke hätte entsprechen können, sehen wir bei einer anderen Hymenoptera-Art, den Ameisen, die wir ihre Maden jederzeit transportieren sehen können. Hier leuchtet der Zweck uns ein. Bei den Bienen können wir einen solchen nicht entdecken. Wir sehen gerade da, wo eine Translozierung der Larven von wesentlichem Nutzen sein könnte, dass sie von der Natur nicht dazu berufen sind. Haben sich die Bienen im Frühjahr mit ihrer Brut schon tief heruntergezogen, und tritt eine unerwartete scharfe Kälte ein, so ziehen sie sich wieder in die Höhe, ohne Ihre Maden mitzunehmen, die infolge davon dem Tode gewidmet werden, während doch oben gar manche leere Zelle sich findet, worin sie dieselben bequem unterbringen könnten, wenn Sie wie die Ameisen angewiesen wären, ihre Brut von einem Ort zum anderen zu transportieren. Oder verletzen wir eine Zelle, worin eine Made erzogen wird, ohne dieser selbst im Mindesten zu nahe getreten zu sein, so wird das arme lebenskräftige Ding zwar transloziert und transportiert, aber nicht in eine andere Zelle, was doch liebevoll und verständig verfahren heße, sondern ohne weiteres zum Stocke hinaus. Und nun sollten sie von ihrem Instinkte geleitet werden, Maden zur Königin-Erziehung durchaus zwecklos aus einer geeigneten Zelle in eine andere zu versetzen, und noch dazu eine Made, die bereits die Zelle fast ausfüllt? Wie sollten die Bienen damit wohl zu Stande kommen, dass unbehilfliche Wesen regelrecht und unbeschädigt in die herabhängende Wiege zu translozieren?

Das sind meine Gründe apriori, warum ich Zweifel an der Richtigkeit der Beobachtung glaube hegen zu dürfen. Ich habe dazu aber auch Gründe a posteriori. Wohl hunderte von Ablegern habe ich gemacht, und wie unsere verehrte Mitarbeiterin zwecklos begonnene Weiselnäpfchen und Nachschaffungswiegen um Ei- und Maden-freie Zellen angelegt, niemals aber nachträglich mit einer Made besetzt gefunden, was doch wohl einmal müsste geschehen sein, wenn die Bienen dazu die natürliche Befähigung besäßen. Dagegen ist es mir schon vorgekommen dass ich in einem derartigen Weiselnäpfchen unter ganz ähnlichen Umständen, wie den im beregten Artikel angeführten, ein Ei gefunden, aus welchen einem Made sich entwickelte, die zur gesetzlichen Zeit versiegelt wurde, auch ihrer Metamorphose vollständig durchgemacht hatte, aber nicht ausschlüpfte. Bei einer Untersuchung fand ich eine erstochene, aber vollkommen entwickelte Drohne, die von einer Arbeiterin ihre Abkunft herleiten musste, weil in der eingehängten Brutwabe auch nicht eine einzige Drohnen-Zelle sich vorfand, welche zur Verirung hätte Veranlassung geben können. Wie leicht konnte aber von unserer geehrten Beobachterin ein Ei übersehen sein, welches von einer Arbeiterin in eins der Näpfchen gelegt und von den Bienen gehegt und gepflegt worden war, während gleichzeitig an der Brutwabe eine weibliche Made zur Königin erzogen wurde, die, weil älter, auch früher ausschlüpfte und nichts Eiligeres zu tun hatte, als die falsche Weise-Zelle zu zerstören, in welcher sie eine Nebenbuhlerin vermutete. Die Bienen transportierten darauf den Wechselbalg zum Stocke hinaus und trugen die Zelle ab, sodass die Beobachterin nicht mehr imstande war, zu entscheiden ob die Inwohnerin regelrecht ausgeschlüpft oder ausgebissen sei, aber vorschnell der Vermutung Raum gab, dass eben hier auch die ausgelaufene Koenigin müsse ausgebrütet sein.

Sollte ich unrichtig folgern, so trägt die Verfasserin durch die Unbestimmtheit ihrer Mitteilung gewiss einen großen Teil der Schuld.

Die Entdeckung der doppelten Wandungen der Wachszellen hat mich nicht wenig frappiert…..



Lüthorst, 6.8.1858. (Pfarrer Johann Georg) Kleine

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Kommentare

07.12.2018 18:35 Bienenalex
Ich glaube der guten Helene hätte eine Brille auch gut getan.
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