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Varroabehandlung

Bruttürme, als Behandlungsalternative (2 Einträge)

Bruttürme Abgestauchte Bienen in Wanne Verstärkung von Ablegern
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29.12.2018, 15.00 Uhr

Bruttürme, als wirksames Verfahren zur Milbenreduktion

Bruttürme, als wirksames Verfahren zur Milbenreduktion

Es gibt viele Behandlungsstrategien und Behandlungsmittel, doch häufig bringen sie nicht den erhofften Erfolg. All zu kompliziert gestaltete Verfahren sind meistens zu aufwändig und bringen keinen zusätzlichen Nutzen. Je größer die Völkerzahl ist, desto praktikabler muss die Durchführung sein. Deshalb propagiere ich die Zusammenfassung der Brutwaben von mehreren Völkern, in einem großen Brutturm. Dies erleichtert die Handhabung, die Kontrolle und das mühevolle und lästige Umherheben von separierten Zargen auf Einzelvölkern erübrigt sich. Zusätzliches Equipment ist dafür kaum erforderlich, weil nach der Honigernte genügend Leerzargen zur Verfügung stehen. Ggf. ist nur noch eine Bodenbrett und eine Abdeckung nötig.
Wichtig ist aber zeitgerechtes Handeln und die Schaffung totaler Brutfreiheit, um die höchstmögliche Effektivität zu erzielen. TBE sollte deshalb bis spätestens 20. Juli erfolgen.

Sinn und Zwecke der Bildung von Bruttürmen besteht darin, die in den Völkern vorhandene Brut und somit den Großteil der Milben zu separieren. Alleine damit wird eine drastische Milbenreduktion erreicht, denn 80 % der Milben sind in der Brut. Eine 80%ige Reduktion ist bei den Altvölkern sonst schwerlich zu erreichen und dies ganz ohne Chemie oder Schädigung der Bienen durch Säuren.
Vorrangiges Ziel ist die Reduzierung der Milben in den Altvölkern, infolge der Brutentnahme und einer anschließenden effektiven, bienenschonenden Sprühbehandlung. Das weitere Ziel ist die Schaffung von Brutfreiheit in den Bruttürmen, um die dort auf den Bienen befindlichen Milben gezielt und effektiv eliminieren zu können.

Der Erfolg einer derartigen Maßnahme ist aber von der vorhandenen Milbenbelastung abhängig. Je geringer die Milbenbelastung und somit die Schädigung eines Volkes ist, desto besser ist das Behandlungsergebnis, bei den Altvölkern und den Bruttürmen.
Extrem befallene Völker, bei denen schon deutliche Schäden an den Bienen erkennbar sind, insbesondere wenn bereits DWV-Symptome auftreten, bedürfen einer Sonderbehandlung. Notfalls muss deren Brut entfernt und vernichtet werden, weil ehedem keine gesunden Jungbienen mehr zu erwarten sind.

Die Brutentnahme sollte zeitgerecht, bereits unmittelbar nach Abschleudern erfolgen. Dies ist in der Regel Mitte Juli. Zu diesem Zeitpunkt liegen die Außentemperaturen bei etwa 30°. Die Völker sind stark und nach Trachtende liegen die Bienen in langen Bärten vor. Diese nutzlos vorliegenden Flugbienen ziehen sich jedoch schnell in den Stock, wenn die Brutwaben entnommen werden und sie beteiligen sich am Aufbau eines neuen Organismus. Die totale Brutentnahme bringt somit zusätzlich positive Effekte.

Obwohl die gesamte Brut entnommen wird, erfolgt letztlich keine Schwächung des Volkes. Vielmehr findet ein rasanter, neuer Brutaufbau statt, insbesondere, wenn an Stelle der entnommenen Brutwaben, ausgebaute Waben aus dem Honigraum eingesetzt werden. Bei kontinuierlicher Fütterung in kleinen Mengen kann eine Läppertracht vorgetäuscht werden und die Königin quittiert dies mit erhöhter Legeleistung. Im Hinblick auf die Schaffung von Winterbienen ist dies sehr bedeutsam. Auch wird die Räubereigefahr durch kontinuierliche Fütterung reduziert, insbesondere bei der üblichen Trachtlosigkeit. Zudem können auch noch so starke Völker auf einen Raum für die Überwinterung gedrückt werden. Dies erleichtert das Handling. Wer jedoch unbedingt zweiräumig überwintern möchte, kann nach der Bebrütung der Waben (nach ca. 3 Wochen), wieder einen zweiten Raum aufsetzen und dann auffüttern.

Hinsichtlich TBE werden die verschiedensten Verfahren und die Anwendung der verschiedensten Behandlungsmittel beschrieben, auch in Kombination mit einer Fangwabe.Ich will diese unterschiedlichen Methoden nicht näher bewerten, denn jeder muss für sich selbst herausfinden, welches Verfahren für ihn am Besten ist. Die Verwendung einer Fangwabe in einem Brutturm halte ich aber für sinnlos, weil dort keine neue Brut entsteht und die Milben somit nicht gehäuft diese Zellen aufsuchen könnten. Zudem wirkt eine Fangwabe nicht wie ein Magnet, der alle Milben anzieht und wird häufig in seiner Wirksamkeit überschätzt.

Seit ich konsequent jedes Jahr, nach dem Abschleudern, eine totale Brutentnahme durchführe, habe ich kein Milbenproblem mehr und auch keine Überwinterungsverluste. Nachfolgend möchte ich meine Verfahrensweise beschreiben:
Die gesamte verdeckelte Brut wird entnommen. Je nach Volksstärke werden bei einem Drittel, bis zur Hälfte der Waben, die Bienen auf den entnommenen Brutwaben belassen. Die übrigen werden in das Altvolk zurückgestaucht.
Offene Brut, die nicht älter als 6 Tage ist, wird belassen, denn diese ist noch milbenfrei. Die Königin wird abgefangen und kommt in einen Käfig. Die Beute wird mit leeren Waben aus dem Honigraum aufgefüllt, ggf. teilsweise mit MW. Anschließend wird der Käfig mit der Königin wieder in das Altvolk eingehängt, außer es soll eine Umweiselung erfolgen.

Nach frühestens 2 Stunden werden die Völker im Sprühverfahren mit Oxalsäurelösung (ohne Zuckerzusatz) behandelt. Optimal ist die Behandlung am Abend, nachdem kaum mehr Bienenflug stattfindet. Vor dem Besprühen wird die gekäfigte Königin entnommen. Nach der Behandlung lasse ich diese frei zulassen.
Sofern eine Umweiselung vorgesehen ist, wird an Stelle der Altkönigin eine neue, begattete Königin im Zusatzkäfig, unter Futterteigverschluss eingesetzt. Hierbei ist es wichtig, dass auch alle Waben mit offener Brut entnommen wurden. Bei absoluter Brutfreiheit wird jede neue Königin problemlos angenommen.

In der Folgezeit, bis Mitte August, erfolgt Reizfütterung, in kleinen Portionen, mit verdünnter Zuckerlösung. Erst dann erhöhe ich die Zuckerkonzentration auf 1:1, zwecks langsamer Einfütterung, die bis Ende September weitgehend abgeschlossen ist. Durch langsame, kleine Futtergaben wird vermieden, dass das Brutnest, infolge zu starker Futtereinlagerung eingeschränkt wird.
Die entnommenen Brutwaben werden in einem Brutturm, der bis zu 5 Zargen (Zander) hoch sein kann gesammelt. Die mit den Waben in den Brutraum eingebrachten Flugbienen fliegen innerhalb kurzer Zeit ins Altvolk zurück.
Aufgrund der jahreszeitlich bedingten günstigen klimatischen Verhältnisse im Juli, bedarf es keiner großen Mengen als Pflegebienen im Brutturm, denn fortlaufend schlüpfen Jungbienen und die offene Brut ist in einer Woche verdeckelt. Es ist nicht nötig, zusätzlich Futter- oder Pollenwaben einzuhängen. Auf den Brutwaben ist i.d.R. ausreichend Futter vorhanden und zudem entwickeln sich im Brutturm schnell neue Flugbienen.

Nach 7 Tagen kontrolliere ich den Brutturm auf Nachschaffungszellen und platziere eine Wabe mit mehreren Nachschaffungszellen in der untersten Zarge. Übrige Nachschaffungszellen werden entfernt. Zwischen der untersten Zarge mit den Nachschaffungszellen und den übrigen Beuten wird ein Absperrgitter eingelegt. Somit erübrigt sich künftig, bei der Entnahme von ausgelaufenen Brutwaben, eine Suche nach eventuell vorhandenen Königinnen.
In Etappen von 7 Tagen entnehme ich die brutfreien Waben und stelle sie vorerst zu weitere Bearbeitung bei Seite. Die frei gewordene Zarge wird jeweils entfernt. Der Brutturm reduziert sich somit schnell auf 2 – 3 Zargen. Nach drei Wochen entferne ich die restlichen Waben bis auf die unterste Zarge.
Von den entnommenen Waben stauche ich die aufsitzenden Bienen in eine kleine Wanne und besprühe sie sofort mit einer OS-Lösung. In der Regel sind dies 1,5 – 2 KG Bienen. Diese Jungbienen verhalten sich äußerst ruhig, fliegen kaum auf und können daher sehr gleichmäßig besprüht werden. Gegebenenfalls kann man sie nochmals durchschütteln um eine gleichmäßige Verteilung zu erreichen.
Anschließend schütte ich diese Bienen in einen Gitterpapierkorb, verschließe diesen mit einem Deckel und stelle ihn für mindestens 6 Stünden bzw. über Nacht, an einen kühlen Ort.

Nachdem sich die Bienen weisellos fühlen können sie für verschiedene Zwecke verwendet werden. Wer keine Vermehrung anstrebt, kann sie zum Verstärken von Altvölkern oder Ablegern verwenden. Man kann sie problemlos zulaufen lassen. Jedoch ist dies bei sehr hoher Milbenbelastung kontraproduktiv. Vernünftiger ist es, von diesem Kunstschwarm einen Ableger mit einer bereits begatteten Königin zu bilden und ggf. nach etwa 4 Tagen nochmals mit OS-Lösung zu besprühen. OS-Lösungen ohne Zuckeranteil sind bienenverträglicher als mit Zuckeranteil, wie bei der Träufelmethode.

Das vom Brutturm verbleibende Restvolk wird nach dem Entfernen der übrigen Zargen ebenfalls behandelt. Hierbei werden die Waben gezogen und die Bienen auf den Waben besprüht. Häufig ist die Königin bereits begattet und stiftet schon. Bis kurz vor dem Verdeckeln der ersten Brut wäre auch hier eine zweite Sprühbehandlung möglich.

Bei Erstellen eines Brutturm sollte von vorneherein auf die Platzwahl geachtet werden, weil das verbleibende Restvolk nicht verstellt werden kann. Es ist nicht zwingend nötig, den Brutturm abseits zu positionieren oder gar entfernt vom eigentlichen Stand aufzustellen. Es müssen aber alle Handlungen unterlassen werden, die eine Räuberei auslösen könnten. Keinesfalls darf im Brutturm gefüttert oder honigfeuchte Waben eingebracht werden.
Beim Austausch der entnommenen Brutwaben, bei den Altvölkern, gegen ausgeschleuderte Honigwaben, ist stets darauf zu achten, dass diese bereits vorher ausgeleckt wurden, ansonsten riechen diese zu stark nach Honig und ziehen zwangsläufig Räuber an. Dies gilt ganz besonders bei der Bestückung von Ablegern. Die Fütterung der Altvölker oder der gebildeten Ableger muss immer fluglochfern erfolgen, am Besten mittels einer Futterschale in einer aufgesetzten leeren Halbzarge, bei etwas zurückgeschlagener Folie. Dies erleichtert auch das Nachfüllen der Zuckerlösung und vermeidet unnötige Störungen.

Betreffend der möglichen Behandlungsmittel gehen die Meinungen auseinander. Vor Jahren, habe ich anfangs mit Milchsäure behandelt, selbst im Blockverfahren. Das Ergebnis war aber nicht zufriedenstellend und die Milbenreproduktion stieg im Spätsommer drastisch an. Seit ich Oxalsäure im Sprühverfahren, bei TBE, anwende und ggf. stärker belastete Völker einer zweiten Sprühbehandlung unterziehe, habe ich gesunde, vitale und starke Wintervölker und keine Überwinterungsverluste. Dass bei Brutfreiheit, im Dezember, nochmals eine entsprechende Winterbehandlung erfolgt, versteht sich von selbst.
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Imka

Imka

Alter: 71 Jahre,
aus Bamberg

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