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Die Tücken des Alltags

(47 Einträge)

Balkonblumen
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12.04.2019, 10.42 Uhr

Besuch mit erster Liebe

Vor ziemlich genau 10 Jahren habe ich angefangen, in meinem Blog über meine Neffen 1 und 2 zu schreiben … und was ich alles Aufregendes, Albernes, Alltägliches, Abenteuerliches mit ihnen erlebt hab. Einer der ersten Blogs erzählte damals von einer mehrtägigen Fahrradtour an der Salzach, als Neffe 1 zwölf Jahre alt war und Neffe 2 neun. Neffe 2 wollte damals partout nicht einsehen, dass jede flotte Fahrt bergab irgendwann wieder einmal ein Treten bergauf bedeutet. Wie wir es damals geschafft haben, von Laufen über Burghausen und Tittmoning und wieder zurück zu kommen ist mir heute noch ein Rätsel. Diese Frage diskutierten wir bei einer weiteren Premiere in meinem losen aber intensiven Familienverbund: Besuch von Neffe 2 … nicht mit Mutter oder Bruder oder stolz wie Oskar allein… sondern mit (erster) großer Liebe.
Ich enthielt mich weise jeder speziellen Nachfrage und quartierte die beiden in meinem Arbeitszimmer auf derselben ausziehbaren Gästecouch ein wie ich es jahrelang für die beiden Brüder gemacht hatte. Legte noch ein paar Handtücher zurecht und fragte vorsichtshalber nach, für wie lange Zeit sie mich denn heimsuchen wollten. Eine Woche hatten sie geplant, was meinen Gehirnwindungen spontan den Spruch meiner Mutter entlockte: Besuch und Fisch bleibt 3 Tage frisch. Zumal ich die Freundin ja nur einmal bisher gesehen hatte und nicht wirklich kannte. Am Tag ihrer Ankunft, einem wunderbar milden Frühlingsabend, musste ich sie tatsächlich nach dem Abendessen noch etwas anschieben, damit sie sich noch auf einen Stadtspaziergang nach Schwabing machten und nicht nur meine Wohnung sahen. Aber ab da war der Besuch herrlich unkompliziert. Ich machte meinen Stiefel mit Arbeit und Freizeitaktivitäten weiter wie immer – und die beiden fädelten sich unauffällig ein.
Eine Hürde hatten wir noch zu nehmen: Die beiden wollten unbedingt an einem Abend für mich kochen. In meiner etwas chaotischen Küche … finden sie alles, was sie brauchen, hab ich etwaige Zutaten zu Hause? Ich kam also zu vereinbarten Zeitpunkt von der Arbeit nach Hause, aber das Essen war natürlich weit davon entfernt, fertig zu sein. Ich machte es mir also im Wohnzimmer bequem, deckte nach einer Viertelstunde den Tisch und harrte der Dinge, die da kamen. Ein Blick in die Küche zeigte Neffe 1 schwer beschäftigt mit einem Berg gekochter Kartoffeln und die Freundin mit dem Smartphone in der einen Hand, die andere Hand in der Masse für die Fleischpflanzerl. Auf meinen erstaunten Blick war die logische Antwort natürlich: Rezept googeln. Ja klar. Irgendwann hörte ich dann Geräusche, die sich anhörten wie von meinem Mixer und wieder eine halbe Stunde später, in der ich nichts hörte, auch keine Stimmen, kam das Signal: Essen fertig.
Klares Fazit: Es schmeckte super gut, selbstgemachter Kartoffelbrei war die perfekte Beilage für die Fleischpflanzerl, die beinahe ohne Zwiebeln auskommen mussten (die Untiefen meines Gemüsefachs gaben dann noch eine her). Aber was mich am meisten erstaunte war, wie ruhig, ohne Hektik, ohne Genervtsein die beiden diese stundenlange Küchenszene bewältigt haben. Ich hätte mit keinem meiner verflossenen Partner 2 Stunden in einer fremden Küche stehen können, ein Ergebnis liefern wollen/müssen ohne dabei nicht einmal auszurasten. Es ist muss wohl Liebe sein.
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Philine

Philine

Alter: 64 Jahre,
aus Schönau

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