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Aufgeschnappt

Was die Medienwelt so hergibt (37 Einträge)

Money makes the world go around...
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21.01.2008, 15.15 Uhr

18,5 Millionen aus Afrika

Heute in der Abendzeitung ein Einseiter über den Schriftwechsel eines Redakteurs mit dem Absender einer dieser unsäglichen E-mails, die einem "irgendwo in Afrika" ein Millionenvermögen in Aussicht stellen, wenn man bei der Geldwäsche behilflich ist. So launig geschrieben, dass ich über meinem Espresso in der Kaffeebar lauthals rausgelacht habe. Also, Redakteur Timo Lokoschat erhält eine E-mail von einem Barrister John Kinedy, Anwalt aus Nigeria, in der ihm mitgeteilt wird, dass sein "Verwandter Frank L., dessen Frau und 3 Kinder" bei einem Autounfall auf der Sagbama-Schnellstraße ums Leben gekommen sind. Und dieser Verwandte sei Direktor einer großen Ölgesellschaft gewesen und habe 18,5 Millionen Dollar hinterlassen - dem nächsten Verwandten, also dem AZ-Redakteur, dem bisher seltsamer Weise die Existenz eines Vetters Frank nicht bekannt war. Gut die Hälfte des Vermögens würde sich Anwalt Kinedy für seine Dienste behalten, aber der Rest ginge an den trauernden Hinterbliebenen. Und AZ-Redakteur L. tut jetzt das, was 99,99 Prozent der Empfänger solcher E-mails Gott sei Dank nicht tun: Er antwortet. Und zwar so: "Lieber Herr Kinedy, mit einer Mischung aus Trauer und Überraschung habe ich Ihre Nachricht aufgenommen. Einerseits tut es mir Leid für den alten Flusspferd-Frankie, wie Freunde ihn gerne nannten ... Andererseits kann ich die sieben Millionen derzeit gut gebrauchen - meine Katzen leiden an akuter Leberzirrhose und benötigen eine teure Therapie. Bitte teilen Sie mir mit, wann ich das Geld bekomme". L. hat noch Bedenken, ob das nicht zu dick aufgetragen war, aber weit gefehlt. Nach 2 Stunden ist die Antwort da. Der Absender hat jetzt einen Doktor-Titel und ein i statt ein e, heißt jetzt Dr. Kinidy, und teilt L. mit, dass die Millionen gegen eine "geringe Bearbeitungsgebühr" direkt auf sein Konto gingen. L. schreibt zurück, dass ihm der neu hinzugewonnene Dr. echt Vertrauen einflößt, und antwortet auf die Frage nach seinem Beruf: "Ich führe eine kleine, aber sehr erfolgreiche Eichhörnchen-Farm draußen in Gilching-Argelsried. Die Felle verkaufe ich als Nerz an reiche Münchnerinnen. Aber bitte: Das muss unter uns bleiben!" Und dann will er noch die Höhe der Bearbeitungsgebühr wissen.
Er ist nun schwer der Meinung, das nimmt ihm keiner ab, aber: Sofort kommt eine E-mail zurück, in der ihm absolute Diskretion bezüglich der Eichhörnchenfarm zugesichert wird. Und dann kommt der Schlüsselsatz von Dr. Kinidy: "Ich benötige nun Ihre Bankdaten, um den Betrag zu überweisen".
L. schreibt zurück, als Kontonmmer gibt er "Hotelbank" an und eine Koordinate aus Schiffe versenken und fragt seinerseits nach der Konto-Nummer von Dr. Kinidy. Schließlich will er ja die Bearbeitungsgebühren nicht schuldig bleiben.
Dr. Kinidy heißt jetzt Dr. Kimidy und antwortet:
"Die Bearbeitungsgebühr beträgt 4300 Dollar. Sobald Ihr Geld auf unserem Konto ist, erhalten Sie den Ihnen zustehenden Betrag".
Und dann antwortet L. in einem letzten entnervten Aufbäumen: "Lieber Dr. Kimble, nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, die 18,5 Millionen dem nigerianischen Staat zu spenden. Das Geld soll nicht in meine Eichhörnchen-Farm investiert werden, sondern in die Bekämpfung von miesen Internet-Betrügern ... "
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Philine

Philine

Alter: 63 Jahre,
aus Schönau
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Kommentare

21.01.2008 15:27 kruemel
*brüll* Ich leg mich wech... sehr gut!!
21.01.2008 16:53 Bucina

Ich kann mich nicht mehr halten! Ist das guuuuut!!!
21.01.2008 20:57 Kaix
Das ist ja mal ein Spass. Werd ich demnächst auch mal machen hahaha!
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