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Wie werde ich Imker!

(1 Eintrag)

Biene auf Blüte!
1107 mal angesehen
03.02.2008, 18.09 Uhr

Wie werde ich Imker!

Aller Anfang ist schwer, heißt es in einem Sprichwort, aber gut vorbereitet lässt sich vieles erleichtern, auch in der Imkerei trifft das zu. Quer durch alle Berufs - und Altersschichten finden sich in der Imkerei die Anhänger dieser schönen Freizeitbeschäftigung. Diejenigen, die diese Leidenschaft einmal gepackt hat, lassen selten davon wieder los. Eine gewisse Naturverbundenheit ist freilich Voraussetzung für einen Imker, schließlich leistet er mit der Imkerei einen wichtigen Beitrag zur Umwelterhaltung. Eine weitere Voraussetzung ist eine nicht allergische Reaktion bei Bienenstichen, was man unbedingt vor Beginn der Imkerei bei einem Arzt abklären lassen sollte. Wenn sich obendrein ein Familienmitglied für die Mithilfe bei der Imkerei entscheidet, ist schon der Anfang um vieles leichter, da das Honigschleudern in Alleinarbeit schon viel Arbeit für den Imker bedeutet.

Bei Rückenproblemen ist der Anfang in der Imkerei anders zu handhaben als bei einem gesunden Menschen. Der angehende Imker, der mit Rückenproblemen zu kämpfen hat, sollte lieber nicht mit normalen Magazinbeuten beginnen, bei denen alle Zargen gleich groß sind, sondern sich für Magazine mit Flachzargen entscheiden, denn eine normale mit Honig gefüllte Zarge kann über 30 kg wiegen, eine Flachzarge hat die Hälfte dieses Gewichts. Wenn Sie eine Zarge bei einem normalen Magazin mit 30 kg bei der Honigernte, z.B. als 4. Zarge oder sogar 5. Zarge in einer Höhe von ca. 1,50 - 1,80 m, wenn man noch den Aufbau des Bodens und zwei Bruträume berücksichtigt, abnehmen müssen, dann werden Sie sehen, dass hier viel Kraft aufgewendet werden muss. Frauen könnten wegen der meist kleineren Körpergröße hier ohnehin Probleme bekommen, deshalb sollte sich besonders das weibliche Geschlecht, ohne diese diskriminieren zu wollen, den Beginn einer Imkerei mit normalen Zargen sehr gut überlegen. Sollte man sich für eine Segeberger Kunststoffbeute im Maß DNM entscheiden gibt es hier seit neuesten ein Rähmchenmaß, das DNM 1 1/2, dieses hat im Brutraum ein Rähmchenmaß, das 1 1/2 mal so hoch ist wie ein bisheriges Rähmchen mit einer normalen Höhe von 22.3 cm im Maß DNM (Deutschnormal). Falls man sich für dieses Maß entscheidet ist auch nur ein Brutraum wie in einer Dadantbeute notwendig. In Verwendung mit halbhohen Honigzargen (Flachzargen) ist hier ein sehr Rücken schonendes Imkern möglich.

Über die Vorteile von nur einem oder eines zweigeteilten Brutraumes (zwei Zargen übereinander) sind sich auch die besten Bienenexperten noch nicht schlüssig, meßbare Vor - oder Nachteile gibt es nicht, ausser dass bei nur einem Brutraum dieser immer am Platz stehen bleibt und bei einem zweigeteilten Brutraum dieser doch immer wieder einmal, zumindestens der obere abgehoben oder vertauscht werden muss. Eine weitere Alternative neben den Rücken schonenden Flachzargen, ist das Dadantmaß (Magazinbeute), bei dem es nur einen sehr großen Brutraum gibt, der nicht immer angehoben werden muss und Honigaufsätze, die nur halb so hoch und daher leichter zu handhaben sind. Es gibt aber auch Lagerbeuten, hier liegen Brut- und Honigraum nebeneinander oder hintereinander. Bei Freiaufstellung ließen die sich sogar vom Rollstuhl aus bearbeiten, ohne eine volle Zarge heben zu müssen. Die moderne Imkerei arbeitet mit Magazinen, diese haben die letzten Jahrzehnten die Trogbeuten wegen des besseren Handlings abgelöst. Die Trogbeuten oder die Lagerbeuten werden immer mehr zu Auslaufmodellen, da in der Natur sich das Brutnest eiförmig entwickelt und nicht nur in die Breite geht, wie es aber bei den Trog - oder Lagerbeuten zwangsweise geschieht.


Machen Sie sich aber auch als gesunder Mensch gerade hierzu beim Beginn der Imkerei Gedanken, denn man wird nicht jünger und wenn Sie, z.B. auch als körperbehinderter Mensch diesem schönen Hobby Imkerei nachgehen wollen, gibt es für alle Bedürfnisse die passende Beute bzw. Betriebsweise. Wenn Sie sich für die Dadantbeute entscheiden, ist damit auch das Rasseproblem schon einfacher zu entscheiden, denn dieses "Großraumbeute" ist für die Buckfastrasse wie geschaffen, nähere Erläuterungen unter dem Thema Beute. Da das "schnelle Ankippen" bei der Schwarmkontrolle bei dieser Beute nicht funktioniert, sondern der ganze Brutraum durchgesehen werden muß bei einer Schwarmkontrolle, ist die meist schwarmträgere Buckfast bei diesem Magazin die erste Wahl.

Der Herbst und die Wintermonate bieten sich geradezu an, um in vielen Büchern zu stöbern. Dann hat man schon ein geschulteres Auge, um sich einen geeigneten Imker, den man in einem, für seine Bedürfnisse befriedigenden Imkerverein, in seiner näheren Umgebung aussucht, anzuschließen, um ein wenig Praxis kennen zu lernen. Bei vielen Imkervereinen muss man nicht gleich Mitglied werden, sondern hat Gelegenheit, ohne sofortige Vereinsaufnahme Leute und Verein kennen zu lernen, ob man dann beim Verein bleibt, ist eine andere Sache, denn nicht jeder ist ein Vereinsmensch. Falls Sie sich aber keinem Verein anschließen, bei dem normalerweise eine Versicherung im Jahresbeitrag beinhaltet ist, würde ich Ihnen raten, ihre Bienenhaltung versichern zu lassen, um Sie vor evtl. Regressansprüchen Geschädigter in Schutz zu nehmen. Einige Jahre werden sicher ins Land ziehen, bis sie als Imker ein geschultes Auge für gewisse Situationen haben und die dementsprechenden Entscheidungen treffen können. Dies sollte ihnen aber jetzt nicht den Mut nehmen, denn auch Profis unterläuft immer wieder ein Fehler, der allein schon von einer ungünstigen Witterung begünstigt werden kann. Es gehört auch eine gewisse Entscheidungsfreudigkeit zur Grundausstattung eines Imkers. Langes Zaudern, wie z. B. bei einer Volksauflösung oder einer Weisellosigkeit (Bienenvolk ohne Königin) ist bei der Imkerei fehl am Platze.

Die entsprechenden Anfängerkurse werden auch in "rührigen" Vereinen angeboten. Die monatlichen Fachzeitschriften tun ein Übriges, um immer auf dem aktuellen Stand der Dinge zu sein. Seien sie Neuem gegenüber immer aufgeschlossen, denn in der Imkerei bleibt die Zeit nicht stehen. Kaufen Sie keine Importbienen und kaufen Sie keine Bienen aus Faulbrutgebieten (AFB = Amerikanische Faulbrut). Verlangen Sie von dem Imker, dem sie die Bienen abkaufen wollen, ein Gesundheitszeugnis seiner Bienen oder erkundigen sich bei dessen Landratsamt, ob hier nicht ein Faulbrutsperrbezirk vorliegt. Wenn man sich ein oder besser zwei oder aber höchstens drei Völker kauft, achte man sehr darauf, dass man sich hier nicht gleich "Stecher" holt und die Völker mit einer vorjährigen Königin bestückt sind. Der Imker, der ihnen die Bienen verkauft, sollte nicht dick vermummt das Volk öffnen müssen und nur so bearbeiten können, ansonsten könnte ihnen schnell die Freude an der Imkerei vergehen. Für den Transport schlägt man dem Verkäufer vor, das Volk komplett mit der Beute mit zunehmen. 50 € Pfand für die Beute geben dem Verkäufer die Sicherheit, dass das Behältnis auch wieder zurückgestellt wird. Dadurch wird der Transport, da das vorherige Umsetzen entfällt, um einiges stressfreier für die Bienen. Der Transport wird an flugfreien Zeiten, sehr früh am Morgen oder spät Abends oder an einem regnerischen Tag durchgeführt. Im Frühjahr ist die Gefahr des Verbrausens (Tod der Bienen wegen Überhitzung) nicht groß, aber im Hochsommer lege ich statt des Deckels einen Rahmen mit Gaze (Fliegengitter) beim Transport von Bienenvölkern oben auf oder Sie haben Beuten, die statt eines Bodens einen offenen Gitterboden haben. Völker werden entweder im Frühjahr mit einer vorjährigen Königin gekauft, dieses Volk erstreckt sich E. März - A. April meistens auf 6 - 8 Waben bei DNM, Zander oder ähnlich großer Rähmchenmaße, schwächer sollte es zu diesem Zeitpunkt nicht sein. Der Preis für ein Volk, das man im Frühjahr erwirbt kann sich in einer Spanne zwischen 50 - 100 € bewegen. Bei Schwärmen, die es hauptsächlich im Mai günstig ( ca. 30 €) zu erwerben gibt, hat man den Nachteil, dass in den Schwarm normalerweise eine ältere Königin ist und dann das Schwärmen des Volkes im nächsten Jahr vorprogrammiert ist, da man bei der Schwarmverhinderung bis dahin etwas wenig Erfahrung hat, was aber nicht unbedingt ein großer Nachteil sein sollte. Eine weitere Alternative sind Kunstschwärme die meistens im Juli oder Anfang August zu kaufen sind.

Beachten Sie folgenden Punkt der Bienenseuchenverordnung:

Wer Bienen halten will, hat dies spätestens bei Beginn der Tätigkeit der zuständigen Behörde (z.B. Landratsamt) und der Angabe der Anzahl der Bienenvölker und ihres Standortes anzuzeigen.

Ist erst einmal ein eigenes Volk da, so steigt mit dem Interesse auch die Freude, und schließlich steht man im Banne des Wunderlebens der Bienen und kommt nicht mehr von ihnen los. Eigene Beobachtungen und Erfahrungen, Besuch von Vereinsversammlungen mit Erfahrungsaustausch, dabei auch das Studium der entsprechenden Bienenzeitungen oder eines guten Lehrbuches tun das übrige, um aus dem Anfänger einen guten Imker oder zumindest aber einen begeisterten Imker zu machen. Leider geht es auch in der Bienenzucht nicht ohne gewisse Investitionen, die aber wieder reichlich hereinkommen können. Mit ca. 1000 € muss man als Anfangskapital im Normalfall rechnen. Um die Kosten zu senken, kann man mit gebrauchten Geräten, die Anfangsinvestition erheblich minimieren. Gebrauchte Beuten kann man öfters von "umstellungsfreudigen" Imkern schon manchmal für 15 - 20 € erwerben, aber lassen sich hier keine "Exoten" von selten Wabenmaßen" andrehen. Auch eine Honigschleuder, die sehr kostenintensiv ist, gibt es in guten Imkereivereinen zum Ausleihen. So gesehen kann ein, auf die Kosten bedachter Imker, für einige Hundert € mit dem Imkern beginnen. Man braucht als Anfänger einen Schutzanzug und Handschuhe, bis man sich an eventuelle Stiche gewöhnt hat. Ein Stockmeißel, ein Smoker, Abkehrbesen und ein Schwarmfangkasten gehören auch zum "Starterset". So angefangen kann sich ihr finanzieller Einsatz innerhalb kürzester Zeit amortisiert haben.

Klein anfangen und entsprechend dem Erfolg und den finanziellen Möglichkeiten nach und nach vermehren, ist das richtige Verfahren. Sie sollten sich jedoch Beuten anschaffen, die Sie bei einer Erweiterung der Imkerei selbst zimmern können, das sind Zargen ohne Falze, die man nur aus 4 breiten Brettern zusammenschrauben kann, natürlich nach vorgefertigten Maßen und sich nicht irgendwelche alte Beuten, bei denen oft der Beespace (Abstand von den unteren Rähmchen zu den oberen Rähmchen bei zwei aufeinander gestellten Zargen) nicht stimmt und in Folge davon die Bienen bei einer zweizargigen Überwinterung verhungern würden. Sogar die Rähmchen haben bei manchen Imkern kein Originalmaß, dies merken sie spätestens dann, wenn in Ihre mitgebrachte Beute bei einem Bienenkauf, die Rähmchen nicht passen.

Die direkte Freiaufstellung bei Magazinbeuten genügt fürs erste, evtl. können Sie sich für Ihre Beuten einen Freiständer bauen. Dieser hat gegenüber dem festen Bienenhaus den Vorteil, dass sich die Beuten schnell und an die Tracht heranbringen lassen, außerdem ist das Bienenhaus mit hohen Kosten und Auflagen bei der Genehmigung des Baues verbunden. In der heutigen Zeit der Magazinimkerei, verdrängt die Freiaufstellung immer mehr das Bienenhaus, da die Völker in Freiaufstellung leichter zu bearbeiten, als in einem Bienenhaus, was sich aus der "Stapelbarkeit" der Zargen bei der Magazinimkerei ergibt. Sie sollten aber auch berücksichtigen, dass Sie im Falle einer Freiaufstellung einen Lagerraum für ihre Gerätschaften und Beuten benötigen. Bei ca. 10 Völkern muss man von einem Lagerbedarf von ca. 20 m² ausgehen. Falls Sie ihre Bienen in freier Natur, abseits ihres Wohnsitzes aufstellen, wäre eine Gerätehütte optimal, da Sie dann nicht immer ihre Beuten, Zargen etc. zu den Bienen mitschleppen müssen, sondern alles griffbereit am Stand haben. Beachten Sie aber dabei die baurechtlichen Bestimmungen. Sollten Sie mit Kunststoffbeuten imkern, kann ich Ihnen nur empfehlen die leeren Beuten im Winter "mäusedicht" zu lagern. In einem Schuppen hängt man z.B. eine Baustahlmatte an 4 - 8 dicke Drähte unters Schuppendach, darauf werden die Beuten gelagert, da die Mäuse diese Baustahlmatte nicht belaufen können, ist dies eine sichere Aufbewahrung in einen mäusegefährdeten Raum.

In unseren Breiten gibt es zwei bekannte Bienenrassen, die Carnica und die Buckfastbiene. Schließen Sie sich in der Frage der Bienenrasse, die Sie zu erwerben gedenken, der Mehrzahl der Imker an, wo in ihrer Nachbarschaft ein gewisser Überhang an einer Rasse vorhanden ist. Es gibt aber in einigen Ländern eine dem Imker vorgeschriebene Rasse, beachten Sie die länderspezifischen Gepflogenheiten.

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Kommentare

27.02.2008 19:35 derstefan
Hallo Honigmeyerhofer, vielen dank für die wirklich ausführlichen Ausführungen. hab hier ne Menge für meine ansteheneden Anfänge in der Imkerei mitgenommen.meine mentor steht natürlich mit Rat und tat zur seite, allerdings hat er mir auch schon angekündigt, das ich ein Volk ( zwei bekomme ich wohl von ihm für den Anfang) "totgucken" werde. Das ist wohl so ein Anfängerfehler, den jeder Jungimker macht ( oder machen muss).Trotzdem, ich freue mich auf meine mädels und werde versuchen, das fensterln auf das nötigste zu beschränken...

LG derstefan
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