Weiterbildungsmöglichkeiten in der Agrar-Branche im Überblick

Zur erfolgreichen Landwirtschaft gehören mehr als ein grüner Daumen und gutes Wetter. Entsprechend gibt es einen hohen Bedarf an Weiterbildungsangeboten in der Agrarbranche. Welche sind es und wann ist die beste Zeit für Qualifizierungen?

Beste Zeit für Qualifizierungen

Forstwirtschaft, Ackerbau und Fischerei sind saisonal bedingt. Doch abgesehen von den Zeiten in denen der Arbeitsaufwand geringer ist, sollten Weiterbildungsinteressierte auch noch darauf achten, wann es staatliche Zuschüsse zu Seminaren gibt und wie sie in den Genuss geförderter Weiterbildungsmöglichkeiten kommen können.

Auch ein Landwirtschaftsbetrieb muss vielleicht einmal Kurzarbeit anmelden. Gründe dafür müssen nicht in Misswirtschaft liegen. Der Klimawandel klopft nicht mehr zaghaft an die Tür, sondern platzt mit diversen Katastrophen herein. Je nach Jahreszeit können komplette Ernten ausfallen, wenn es starke Regengüsse oder extreme Temperaturschwankungen gibt. Statt die Mitarbeiter dann zu entlassen, können sie für Seminare angemeldet werden und die Zeit nutzen.

Politische Beschlüsse können ebenfalls den Zeitpunkt für einen Weiterbildungsbedarf mit bestimmen. Auslaufende Subventionsprogramme, neue Umweltvorgaben und die Digitalisierung stellen Landwirte und ihre Mitarbeiter vor Herausforderungen, die ohne Fortbildungen nicht zu stemmen sind.

Relevante Themen für Weiterbildungen in der Agrar-Branche

Es gibt viele Vorschriften für Landwirte. Bereits bei der Nutzung diverser Geräte sind Lizenzen zu erwerben oder Unterweisungen nachzuweisen. Der Erdbaumaschinenschein ist für Landschaftsgärtner oder Ackerbauern fast unerlässlich, wenn sie nicht immer auf externe Dienstleister zurückgreifen wollen.

Umweltschutz und Düngemittel scheinen kontroverse Themen zu sein, doch mit einem soliden Wissen um die Wirkung der einzelnen Substanzen, der richtigen Dosierung etc. können Dünger angewendet werden, ohne die Umwelt zu belasten.

Verbraucherzentralen setzen die Interessen der Verbraucher durch. Auf Produzenten wirkt sich das dahingehend aus, dass sie über Kennzeichnungspflichten Bescheid wissen müssen. Was bei der Stempelung von Eiern noch recht einfach ist, kann je nach Produkt ziemlich kompliziert sein. Entsprechend sollte das Personal geschult sein.

Die Digitalisierung setzt sich auch im landwirtschaftlichen Bereich durch. Zwar wachsen die Landwirte von morgen mit der Digitalisierung auf, doch die speziellen Kenntnisse, die für die Agrarwirtschaft relevant sind, müssen sie sich aneignen. Angewandt werden beispielsweise digitale Messverfahren und Analysen von Böden oder Gewässern, Etikettierungen von Erzeugnissen und spätestens wenn es um die Buchhaltung geht, ist auch auf dem letzten Bauernhof ein digitales Endgerät eingezogen.

Zertifizierungen und Qualitätsmanagement sind in der Agrarbranche schon lange Themen, auf die sich Mitarbeiter konzentrieren. Subventionen aus der EU oder vom Bund/ Land sind meist an Zertifizierungen und viele Vorschriften zum Qualitätsmanagement gebunden. Zertifizierungen sind damit die Basis für eine gute Wirtschaftlichkeit und ein verbraucherfreundliches Image. Zertifizierungen sind oft sehr kompliziert und ohne einen qualifizierten Mitarbeiter im Betrieb, müssen Zertifizierungsverfahren von teuren externen Anbietern begleitet werden. Entsprechend bilden sich viele Mitarbeiter in der Agrarbranche hier weiter und belegen Seminare zu rechtlichen Themen, zum bürokratischen Ablauf oder lassen sich zu Fachwirten oder Qualitätsbeauftragten ausbilden.

Wollen Landwirte einen eigenen Hofladen betreiben oder ihre Produkte selbst weiterverarbeiten, benötigen sie und ihre Mitarbeiter Hygieneschulungen, müssen sich Kenntnisse über die Lagerwirtschaft aneignen und vielleicht auch Verkaufstrainings besuchen, um Kunden kompetent bedienen zu können.

Die Globalisierung ist ebenfalls ein Thema in der Landwirtschaft. Ohne ausländische Erntehelfer geht es fast nicht mehr. Entsprechend wünschen sich viele Mitarbeitende in der Agrarwirtschaft Sprachkurse, um besser mit den Mitarbeitern kommunizieren zu können. Kurse in osteuropäischen Sprachen sind hier ebenso stark begehrt, wie Englischkurse. Helfer absolvieren ggf. auch Kurse in Deutsch als Fremdsprache oder spezifische Sprachseminare, die sich verstärkt auf das Vokabular in der Branche konzentrieren.

Studieren neben dem Job

Mehr als 200 Studiengänge gibt es im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Agrarwissenschaften. Sie reichen von der Holzwirtschaft über Umweltwissenschaften bis hin zur Ernährungslehre. Landwirte die studieren möchten, nutzen die Fördermöglichkeiten, um neben ihrem eigentlichen Job einen Bachelor oder Master zu machen. Dank der Digitalisierung wurden hierfür beste Voraussetzungen geschaffen. Fernstudiengänge erlauben es den Studierenden, sich zeitlich und örtlich flexibel auf ihr Studium zu konzentrieren. Menschen in Umweltberufen, wie sie in der Agrarwirtschaft ausgeübt werden, arbeiten körperlich. Das reine Studieren würde ihnen meist schwer fallen. Als Ausgleich zu ihrem Tagwerk können sie ihrem Wunsch, draußen zu sein und sich körperlich zu betätigen und trotzdem einen Studienabschluss zu erwerben, gerecht werden. Davon abgesehen hat der Praxisbezug auch viele Vorteile beim Lernen, denn theoretische Inhalte, die in der Praxis angewandt werden, sind viel besser zu verstehen.

Einige Institute bieten sogar Studienmöglichkeiten, die ans eigene Lerntempo angepasst werden können.

Spannende Themen wie die Waldverjüngung, die Kultivierung von Wildpflanzen oder der Anbau exotischer Pflanzen in anderen Klimazonen machen die Studiengänge attraktiv. Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Klima sind letztendlich eine Frage des Wissens – also liegt auf der Hand, dass es ohne Weiterbildung in keiner Branche mehr geht.

Symbiose aus Naturverbundenheit und technischem Fortschritt

Agrarberufe stellen in der heutigen Zeit eine Symbiose aus der Liebe zur Natur unter Nutzung des technischen Fortschritts dar. Apps zur Pflanzenbestimmung könnten nicht ohne Berater aus dem Gartenbau, der Biologie oder der Forstwirtschaft entwickelt werden. Drohnen suchen zu mähende Flächen ab, um Wildtiere zu entdecken und vor Unfällen schützen zu können. Messgeräte die über Reifegrade, Bodenbeschaffung und Schadstoffbelastungen Auskunft geben, sind nicht mehr wegzudenken. Zwar ächzen viele Landwirte unter den Auflagen und teilweise sinnlos erscheinenden Vorgaben, doch wenn man bedenkt, wie vielen Menschen der Schimmelpilz Mutterkorn im Mittelalter das Leben gekostet hat, können wir dankbar über die Erkenntnisse sein, die wir heute haben und nutzen können.

Wie bahnbrechend waren diverse Erfindungen, die den Ackerbau leichter gemacht haben? Aus Arbeitstieren wurden Landmaschinen mit eigenem Motor. Vom kleinen Mähroboter zu Erntemaschinen die via Autopilot fahren, ist es nur ein kleiner Schritt und wir sind auf dem besten Weg, mittels moderner Technologien, Digitalisierung und qualifizierten Mitarbeitern, die Arbeit in der Agrar-Wirtschaft leichter, abwechslungsreicher und vor allem interessanter zu machen.

Fazit: Eine gute Ernte und somit ein erfolgreicher landwirtschaftlicher Betrieb bedürfen natürlich immer noch die Unterstützung von Mutter Natur. Doch Fachwissen ist unerlässlich, wenn wachsen soll, was gesät wird. Die Knappheit der Ressourcen, die für gutes Wachstum nötig sind, haben komplett neue Forschungszweige hervorgebracht. Zudem ist das Verbraucherbewusstsein gewachsen und Herkunft von Produkten wird hinterfragt. Ernährungsmodelle werden hinterfragt, neue geschaffen. All dies stellt hohe Anforderungen an die Agrar-Branche, der sie gerecht werden will. Gute Weiterbildungsangebote helfen, Mitarbeitende zu qualifizieren, Vorschriften einzuhalten und Klimaziele zu erreichen.

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